Mit funk richten sich die öffentlich-rechtlichen Sender erstmals mit einem Jugendangebot an junge Erwachsene im Alter von 14 bis 29 Jahren. Insgesamt 40 Formate werden zum Start angeboten, diese sollen sich stark vom klassischen Fernsehprogramm unterscheiden.

Artikel von Fabian Knisel für Webvideomagazin ramble.ch

Wer soll mit funk erreicht werden?

Seit über einem Jahr wird über das „Junge Angebot von ARD und ZDF“ gesprochen. Viele begegneten dem Projekt mit grosser Skepsis. Nachdem bekannt wurde, dass das Jugendangebot lediglich im Internet angeboten werden soll, glaubten viele an einem grossen Rückschlag für das Projekt. Doch rückblickend erwies sich dieser Schritt als logisch. Denn warum sollte man ein Angebot, welches 14- bis 29-jährige ansprechen soll, im Fernsehen ausstrahlen, wenn diese meist nur noch am Laptop Videos schauen und den Fernseher schon aus ihrem Zimmer verbannt haben? Weg vom Fernseher, hin zur Jugend.

Zum Start von funk haben 22 Creator ihre elf Formate in Berlin präsentiert(Foto: Stefan Hoederath/funk)

Mit dem Jugendprogramm funk — der Name wird Deutsch ausgesprochen — möchten die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nun endlich auch die junge Zielgruppe ansprechen, die sich in den letzten Jahren zunehmend vom linearen Fernsehen abgeneigt hat. Stattdessen verbringt die junge Zielgruppe immer mehr Zeit in Online-Videoangeboten wie YouTube und Netflix. ARD und ZDF möchten nun mit einem eigenen Jugendangebot auch in diesem Markt mitmischen. „funk soll Menschen unter 30 eine Stimme geben, ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu orientieren, zu informieren und zu unterhalten“, so das ZDF. Laut eigenen Angaben sollen 15 Millionen Deutsche mit diesem erreicht werden können.

Was gibt es bei funk zu sehen?

funk startet offiziell am 1. Oktober. Zum Start bieten ARD und ZDF insgesamt 40 Formate an. Diese werden in drei Kategorien unterteilt — Information, Orientierung und Unterhaltung. Die Formate sind dabei ähnlich aufgebaut, wie man sie bereits von Facebook oder YouTube kennt, mit klassischem Fernsehen haben sie meist wenig am Hut. Trotz allem Spass, soll dabei auch stets ein Bildungsauftrag erfüllt werden, was die Macher betonen.

Der offizielle Trailer zum Jungen Angebot (YouTube)

Einige der Formate existieren bereits seit einiger Zeit — das erfolgreichste Beispiel hierfür ist die Gaming-Talkshow „1080Nerdscope“ mit LeFloid. Der YouTube-Kanal „Y-Kollektiv“ oder „Was mit Fabian“ werden bereits seit einigen Monaten mit Inhalten versorgt, der grosse Erfolg blieb bisher aber aus. Ein eigenes Nachrichtenformat für junge Leute wird im Rahmen des Jugendangebots (noch) nicht angeboten. Die nächtliche Online-Nachrichtensendung heuteplus ist kein Teil des Jugendangebots.

Marti Fischer und Marie Meimberg sind ein Teil des neuen Jungen Angebots(Foto: Stefan Hoederath/funk)

Facettenreiches Angebot: Von lustigen Videos bis Reportagen

Das Angebot von funk soll facettenreich und vielseitig sein, von witzigen Videos bis journalistischen und aufwendig produzierten Reportagen soll dabei für jeden etwas dabei sein — sowohl für die jüngeren ab 14 Jahren als auch für die „älteren“ Leute bis 29 Jahren. „Neue Inhalte werden fortwährend entwickelt“, gab das ZDF bekannt. Das Angebot solle sich ständig verändern. „Es ist schön zu sehen, wie viele unterschiedliche Formate zu funk gehören und wie viele kreative Menschen dabei sind“, sagt Florian Hager, Geschäftsführer des Jugendprogramms. (Formate bei funk)

Neben Webserien werden auch internationale Lizenzserien wie „The Aliens“ und „Hoff the Record“ (beide von BBC) ein Teil des jungen Angebots von ARD und ZDF sein — Serien lassen sich exklusiv auf der Webseite sowie in den Apps ansehen. Eine englische Originalfassung wird, wenn möglich, optional angeboten. Zum Start am 1. Oktober sind drei Serien mit an Bord, weitere sollen folgen. (Serien bei funk)

Was unterscheidet funk von anderen Onlineplattformen?

Ein grosser Unterschied von funk gegenüber anderen Plattformen soll die Werbefreiheit sein. Die im Rahmen des Jugendangebots produzierten Videos sollen keine Produktplatzierungen enthalten, ausserdem soll keine Werbung vor diesen geschalten werden. Ebenfalls werden die Videos von einer Redaktion der jeweiligen Rundfunk-Landesanstalt produziert und vor Veröffentlichung auch von dieser überprüft. Die Verantwortung spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Verantwortlich für funk sind Florian Hager und Sophie Burkhardt (Foto:Stefan Hoederath/funk)

Hinter dem jungen Angebot steht ein grosses Team. In der Mainzer Zentrale arbeiten nach eigenen Angaben circa 40 Mitarbeiter an der Technik und Leitung des Jugendangebots. Geleitet wird das Projekt von Florian Hager und Sophie Burkhardt, federführend ist der Südwestrundfunk (SWR). Alle neun weiteren Landesrundfunkanstalten sind jedoch redaktionell ebenfalls stark in funk eingebunden.

funk ist mehr ein Netzwerk, als eine Plattform. Videoproduzenten werden für das Jugendprogramm engagiert, sollen aber auch weiterhin unabhängig handeln können. Von den Landesrundfunkanstalten werden die Creator sowohl finanziell, als auch bei der Produktion ihrer Videos neben Equipment und einem Team auch von einer Redaktion unterstützt. ARD-Vorsitzende Karola Wille blickt optimistisch auf das junge Angebot: „Wir wollen einen Raum schaffen für junge Kreative, für Innovation, für Experimente.“

Was kostet funk?

funk besitzt bis 2020 jährlich ein Budget von 45 Millionen Euro. 1/3 des Geldes kommen vom ZDF, 2/3 von der ARD. Was sich auf den ersten Blick nach sehr viel Geld aussieht, ist es eigentlich gar nicht. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten steht jährlich ein Budget von 9,1 Milliarden Euro zur Verfügung, mit 6,3 Milliarden Euro geht der größte Teil an die ARD-Anstalten.

Führt man sich diese Zahlen erst einmal vor Augen, merkt man erst, wie gering der Anteil für das Jugendangebot eigentlich doch ist. Lediglich 1 Prozent des Gesamtbudgets der öffentlich-rechtlichen Sender werden für das junge Angebot eingesetzt. Dennoch sind 45 Millionen Euro für die Webvideobranche eine beachtliche Summe Geld. Dem GEZ-Zahler soll das Angebot nur „knapp 10 Cent“ pro Monat kosten. Zur Finanzierung werden die beiden Digitalkanäle EinsPlus und ZDFKultur eingestellt.

Wo kann ich funk schauen?

Die Inhalte des Jugendangebots werden nicht im Fernsehen ausgestrahlt, sondern ausschliesslich über das Internet. Eben da, wo sich die jungen Leute am meisten aufhalten. Verbreitet werden die Inhalte über soziale Netzwerke wie Facebook und Snapchat sowie über die Videoplattform YouTube. Dadurch müssen die Nutzer gar nicht erst eine neue Plattform kennenlernen, sondern findet die Inhalte direkt dort, wo sie sich bereits häufig aufhalten — nämlich auf den sozialen Netzwerken.

Auf der Website funk.net werden alle Inhalte gebündelt präsentiert, wie in einer Art Mediathek. In den Apps für Android und iOS finden sich zudem Serien und Multimedia-Inhalte. Hier soll es zum Beispiel um „Netzphänomene und virale Hits, Hintergründe zum Tagesgeschehen, Lifestyle-Trends und um unsere eigenen Formate und Köpfe“ gehen, gab funk bekannt. Inwiefern Nachrichten in der App eine Rolle spielen werden, ist noch nicht bekannt. Der Austausch mit der Community soll ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Was denkst du über funk? Glaubst du an einen Erfolg des Jugendprogramms?

Beitragsbild: funk Logo (Stefan Hoederath/funk)

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